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Sprachportal

Sprache | Bildung | Integration

Fit für Ausbildung und Beruf

Artikel auf Gießener Allgemeine vom 03.05.2018

https://www.giessener-allgemeine.de/giessen/ausbildung-beruf-11908827.html

von Eva Diehl

Mit der Flüchtlingswelle 2015 boomen die Integrations- und Sprachkurse. Auch das Wetzlarer Sprachportal wächst auf vier Schulungsstätten, davon zwei in Gießen. Nun gehen die Teilnehmerzahlen zurück. Die private Sprachschule setzt daher verstärkt auf Integration im Beruf, speziell in Pflegeberufe.

Hundertausende Menschen sind 2015 aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und anderen Krisengebieten nach Deutschland geflohen. Während Kanzlerin Angela Merkel in Berlin das berühmte Credo „Wir schaffen das“ ausgab, wurde in Gießen angepackt – in Integrations- und Sprachkursen. „Vom einen auf den anderen Tag wussten wir kaum noch, wo uns der Kopf steht“, erinnert sich Cetin Ak, Gründer des Sprachportals, einer privaten Sprachschule, die in Gießen und Wetzlar zertifizierte Kurse anbietet. „Plötzlich brauchten wir rund 40 Kurse und waren in kurzer Zeit führender Anbieter.“

Die Menschen sind mittlerweile in den Betrieben angekommen. Dort gibt es nun großen Bedarf

Cetin Ak, Sprachportal

Drei Jahre nach dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle haben sich die Herausforderungen gewandelt. Nicht mehr nur Basiskenntnisse in Sprache und Kultur werden gebucht, auch Bewerbungstrainings und Sprachtests für den Zugang zur Hochschule werden nachgefragt. „Man merkt, dass die Teilnehmerzahl an den Integrationskursen sinkt“, sagt Ak. „Die Menschen sind mittlerweile in den Betrieben angekommen. Dort gibt es nun großen Bedarf.“ Seit 2017 bietet das Sprachportal daher berufsbezogene Kurse an, um kommunikative Fähigkeiten im Job zu stärken. In diesem Jahr sollen Spezialkurse für Pflegekräfte hinzukommen.

Pflegekräfte aus dem Ausland schulen

Angefangen hat das Sprachportal 2010 mit einem Standort in Wetzlar, einem Lehrer und wenigen Sprach- und Integrationskursen. 2015 eröffnet das Sprachportal ein Zentrum am Gießener Marktplatz, 2016 eine zweites in Wetzlar und 2017 das bislang größte in der Bahnhofstraße in Gießen. Gegenüber der Alten Post unterrichten rund 20 Lehrer Menschen aus dem arabischen Raum, aus Afrika und vielen anderen Teilen der Welt. Gründer Ak ist nun Lehrer an der Frankfurter Fürstenbergerschule und ehrenamtlicher Berater des Sprachportals, das seine Frau Sönmez führt.

Ausgebaut werden sollen in der Sprachschule demnächst Kurse für Pflegeberufe. Rund 250 Stellen für Pflegekräfte seien in Gießen und Umgebung offen, rechnet Projektentwickler und Sozialpädagoge Jochen Eisold vor. „Das Hauptproblem bei der Integration von ausländischen Pflegekräften ist die Kommunikation“, sagt er. Auf dem Stundenplan der Kurse für Pflegekräfte solle nicht nur Grammatik stehen, sondern auch Pflegekonzepte, ein Praktikum, sowie Hilfe bei der Anerkennung vorheriger Ausbildungen. In Lahnau hat das Sprachportal bereits chinesische Pflegekräfte geschult und plant nun berufsbegleitende Kurse, zum Beispiel mit dem Johannesstift.

Die meisten der Kursteilnehmer schicken Jobcenter und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die auch die Rechnung für die Kurse zahlen. Ein sechsmonatiger Integrationskurs mit fünf Unterrichtseinheiten à 45 Minuten pro Tag kostet rund 2300 Euro. Für die berufliche Eingliederung hat das BAMF nun ebenfalls Förderprogramme aufgelegt – auch speziell für Pflegekräfte. So wirken sich Entscheidungen aus Berlin direkt auf das Kursangebot in Gießen aus.

Kinder von Flüchtlingen betreuen

„Sicher waren wir erfolgreich auch wegen der Flüchtlingswelle“, sagt Ak. „Aber wir würden uns wünschen, dass die Menschen erst gar nicht fliehen müssen. Wir versuchen, ein offenes Ohr für ihre Probleme zu haben.“ Das tun zwei Sozialpädagogen seit Herbst nun professionell, ebenfalls mit Unterstützung des BAMF. „Das ist ein wichtiger Teil der Integration“, sagt Sozialpädagogin und Dozentin Ines Suckel. Sie hilft auch dabei, Anträge zu stellen, einen Studienplatz oder eine Kinderbetreuung zu finden.

Das Angebot will die Sprachschule künftig auf weitere Berufszweige und Zielgruppen ausweiten. Ein Sprachkurs für zugewanderte Fahrer der DHL in Lollar ist geplant. Eine Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wird ebenfalls diskutiert, etwa bei der Nachmittagsbetreuung für Kinder von Zuwanderern. „Das hat man beim Nachwuchs der Gastarbeiter versäumt“, sagt Ak. Ein weiteres Projekt schwebt dem Team noch vor: Kochkurse, Nähkurse und andere Freizeitangebote für Zuwanderer und Einheimische. Ak dazu: „Integration heißt nicht nur, eine Sprache zu lernen. Wir möchten die Menschen auch zusammenbringen.“

Info

Was macht das Sprachportal?

Das Sprachportal bietet verschiedene Integrations- und Alphabetisierungskurse an. Dazu gehören spezielle Angebote für Jugendliche und Berufseinsteiger, insbesondere für Pflegekräfte. Die private Sprachschule ist durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge anerkannt und nimmt zudem Prüfungen für das TELC-Zentrum in Frankfurt ab, das Europäische Sprachzertifikate ausstellt. Das Sprachportal hat vier Schulungsstätten, davon zwei in Gießen (Markplatz 1, Bahnhofstraße 82-86) und zwei in Wetzlar (Langgasse 71, Willy-Brandt-Platz 7).